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Das in Kerzenlicht getauchte Gotteshaus im Schloss Jettenbach war voll besetzt. Warm und friedlich, lediglich der eine oder andere Räusperer durchbrach die andächtige Stille. Voller Erwartung saßen die 150 Gäste im Zwielicht des Kirchenschiffes. Sie waren der Einladung "Alle Jahre wieder" des Heimat- und Kulturkreises Jettenbach gefolgt. Dann stimmte der gemischte Chor Mittergars und Jettenbach das Lied "Die Dunkelheit verschlingt die Welt" an. Das war der Auftakt zum ausgelobten Programm am 4. Adventssonntag in der Jettenbacher Schlosskirche.
Nach einer kurzen Begrüßung durch die Vereinsvorsitzende, Elvira Schreiner, trat Gerti Schuch ans Rednerpult. Die inzwischen pensionierte Pädagogin hatte ein Skript von Lea Kampe mitgebracht. Die Buchautorin Kampe beschreibt ein Wunder in einer sehr dunklen Zeit deutscher Geschichte. Jene Handlung ist angelehnt an eine wahre Begebenheit und führt ins Jahr 1940. In Muranow, ein Stadtteil von Warschau, hatte man etwa 400000 Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht. Vorwiegend Juden, aber auch Systemfeinde fristeten dort ihr Dasein bis zum meist gewaltsamen Tod. Doch auch in der absoluten Finsternis gab einen Schimmer der Hoffnung. Später bezeichnete man Irena Stadler als "Engel von Warschau". Sie, Stadlerowa, rettete 2500 Kinder vor dem sicheren Tod. "Arisiert", mit gefälschten Identitäten versehen, schmuggelte die Sozialarbeiterin die Kinder ins "freie" Umland der Stadt. Auch mit intensiven Verhören und Folter brachte man die mutige Frau nicht zum Sprechen. 1965 wurde sie als "Gerechte unter den Völkern" für die Rettung vieler Holocaustkinder vom Yad Vashem ausgezeichnet.
In drei Akten trug Gerti Schuch die am Ende doch noch glückliche Begebenheit vor. Beispielhaft waren die musikalischen Untermalungen und Einlagen ausgewählt und vorgetragen worden. Der Baderhäuslterz spielte mit Maria Tribus-Wild am Hackbrett, Johann Wild an der Gitarre und Ulrike Zöller mit der Klarinette. Feine Klänge des Hackbrettes waren vom rauchigen, weichen Sound der Klarinette mal übertönt, dann wieder untermalt worden. Alles begleitet vom Rhythmus der Gitarre des Religionspädagogen Johann Wild. Die Leistung des gemischten Chores war exzellent. Melodisch, ernst und am Ende ein strahlender Stern am finsteren Firmament. Das Stück aus dem Chorblatt "Seht am Himmel steht ein Stern" stellte in genialer Weise die Verbindung zu unserer Weihnachtsgeschichte her.
Wie eine Vorschau auf das kommende Jahr wirkte das angebotene Programm des Heimat- und Kulturkreises. Eine Ausstellung und weitere Programmangebote stehen zum 80-jährigen Kriegsende im Kalender 2025. Die Gemeindenachbarn Aschau, Mittergars, Grünthal und Jettenbach bieten in Bild und Ton eine Zeitreise in eine unrühmliche Epoche deutscher Geschichte an. Unterstützt durch das Geschichtszentrum Mühldorf wird unermüdlich die Wanderausstellung vorbereitet.
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