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"Abschied ist gleichzeitig Wiedersehen, das ist die christliche Hoffnung. Johanna Bonauer ist uns vorausgegangen in die Unausweichlichkeit des Todes. Wo finden wir Trost? Wenn wir aus dem Glauben leben, finden wir Dankbarkeit in der Erinnerung an die Verstorbene." Pater Bednara beschrieb das Leben von Johanna Bonauer, die im Alter von 87 Jahren als gläubige Christin vor ihren Schöpfer trat.
Die Verstorbene wurde am 30. Juli 1936 in Neusiedl, Kreis Nikolsburg, Region Südmähren, in der damaligen Tschechoslowakei als Tochter der Eheleute Mathias und Wilfriede Seemann geboren. Die Region Südmähren gehörte während dieser Zeit zu Deutschland, war sieben Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Die Eltern betrieben eine Landwirtschaft mit Tieren und Weinbau. Nach Kriegsende wurde dieses Gebiet nicht mehr Deutschland, sondern der Tschechoslowakei zugeordnet. Die deutschen Bewohner wurden in wilden Aktionen über die nahe Grenze nach Österreich vertrieben. Ihr privates Eigentum, auch Haus- und Grundbesitz, wurde von der Tschechoslowakei beschlagnahmt und an ausgewählte tschechische Bürger verteilt, die dort zwangsangesiedelt wurden. Die Flucht erfolgte im Zug nach Wien, wo die Familie eine vorübergehende Bleibe in einem Zimmer bei Verwandten fand. Jede erwachsene Person durfte persönliche Gegenstände mit einem Gesamtgewicht von 50 Kilo, in Holzkisten verpackt, mitnehmen. Alles andere mussten sie zurücklassen.
Im Juli 1946 wurde die Familie durch eine zentrale Meldestelle nach Bayern vermittelt. Im Zug, in einem Viehwaggon mit den zwei Holzkisten, ging es über Passau in ein Auffanglager nach Buttenwiesen bei Augsburg. Anschließend in ein Flüchtlingslager in Bergham bei Deggendorf. Dort machten sie mehrere vertriebene Verwandte in Jettenbach ausfindig und wurden am 10. August auf dem Bauernhof der Familie Bibinger in Grafengars aufgenommen, wo sie jahrelang lebten.
Mit viel Fleiß und Sparsamkeit schaffte es die Familie Seemann, 1961 ein Eigenheim in der Brombergsiedlung in Grafengars zu errichten. Hanni besuchte dann die Volksschule in Jettenbach. 1951 begann sie eine Lehre als Damenschneiderin in Mittergars. Später fand sie eine Anstellung bei der Bekleidungsfirma Erwa in Mühldorf. Gerne fuhr Hanni mit dem Fahrrad mit ihren Freundinnen zum Tanzen nach Waldkraiburg, Kraiburg und Mitterpleining. Beim Tanzen lernte sie auch ihren zukünftigen Ehemann Leonhard Bonauer kennen und lieben. Sie heirateten am 13. Oktober 1962, und im Jahr darauf kam Tochter Petra zur Welt. Einige Jahre später begann Hanni mit Heimarbeit. Sie nähte viele Jahre Kinderbekleidung für die Firma Ermler Kraiburg. Als der Betrieb aus Altersgründen schließen musste, wechselte sie zur Bekleidungsfirma Pröbstl in Jettenbach. Dort arbeitete sie viele Jahre bis zur Betriebsschließung. Anschließend fand sie bis zum Eintritt in den Ruhestand Arbeit bei der Firma Lehnert in Aschau-Werk, wo sie Lampenschirme aus Glas bemalte.
Hanni war am liebsten zu Hause in ihrem Nähzimmer. Urlaubsfahrten waren für sie ein Graus. Nach der Heirat ihrer Tochter Petra 1986, die dann nach Ullading verzog, und der Geburt der beiden Enkel Christian und Sandra war sie den beiden eine fürsorgliche und liebevolle Oma. Am 31. Mai 2018 ereilte sie ein schwerer Schicksalsschlag. Ihr Ehemann nahm sich nach jahrzehntelanger psychischer Erkrankung mit Höhen und Tiefen das Leben. Hanni blieb alleine im Haus wohnen und versorgte sich selbstständig. Ende Juli 2021 feierte sie ihren 85. Geburtstag.
Am 20. September 2021 veränderte sich das Leben von Hanni gravierend. Sie erlitt zu Hause einen schweren Schlaganfall, konnte nicht mehr gehen, kaum schlucken und nur undeutlich sprechen. Nach Krankenhaus und Reha schaffte sie es mithilfe der Therapeuten, die Sprachfähigkeit zu verbessern, pürierte Kost zu schlucken und kurze Strecken mit dem Rollator zu bewältigen. Die Familie hatte inzwischen das Haus behindertengerecht hergerichtet. Tochter und Schwiegersohn zogen nach Grafengars und betreuten die Mutter zusammen mit einer Betreuungskraft mustergültig. Hanni war hilflos, verbrachte den ganzen Tag im Rollstuhl und war rund um die Uhr komplett auf Hilfe angewiesen. Anfang März dieses Jahres erlitt sie einen weiteren Schlaganfall, und die Ausfallerscheinungen verstärkten sich weiter. Nach fünf Tagen Bewusstlosigkeit schlief sie, wohlvorbereitet mit dem Sakrament der Krankensalbung, ruhig ein.
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