24. Jan. 2024

Aussöhnung ist das Lebenselixier

Ruth Hagel aus Jettenbach feiert ihren 90. Geburtstag. Die Weimarer Republik war gerade zu Ende, als im Januar 1934 Ruth Hagel in Königsberg (Ostpreußen) geboren wurde. Das Elternhaus, eine Fabrikantenfamilie in der dritten Generation, stellte Tabakwaren her. "Das war damals schon was Besonderes", berichtet die 90-Jährige. Die Kriegswirren führte die Familie zunächst 1938 nach Berlin. Nach dem Ende des großen Krieges zog Ruth mit ihren Eltern nach Düsseldorf. Durch einen Grundstückskauf in Geldern am Niederrhein siedelte sich Familie Bütow mit ihrer Tabakwarenfabrik Habeco im Umland von Düsseldorf an.

Bereits vor dem Abitur lernte sie ihren späteren Gatten Gernot Hagel kennen und lieben. "Damals ging vor der Ehe noch nichts", erzählt die geistig frische Seniorin. Also wurde 1954, mit damals 20 Lenzen, einfach geheiratet. Gernot, der aus München stammende Ehemann, studierte Architektur. Im Jahr 1955 wurde ein Sohn und 1957 eine Tochter geboren. Die Jubilarin beendete trotz der beiden Kinder und dem zu führenden Haushalt ihr Lehramtsstudium. Nach der Pensionierung zog das Paar 1996 nach Jettenbach. Die Motivation hierfür waren die in München lebenden Enkelkinder. Das Urenkelchen erwähnt, zaubert der pensionierten Pädagogin ein Lächeln ins Gesicht.

Die Umzugskartons waren nicht komplett ausgeladen, klingelte der damalige Bürgermeister Georg Köllerer an der Haustüre des Eigenheims. Nach einem herzlichen Willkommensgruß folgte eine Einladung zur Pfingstreise in die verschwisterte Gemeinde St. Saturnin in Frankreich. Fortan engagierte sich die Pensionärin für den europäischen Gedanken der Völkerverständigung und Aussöhnung. Zunächst als Schriftführerin, dann als Generalsekretärin war Ruth der verlängerte Arm der Gemeindeführung in Jettenbach. Ein zweisprachiges Magazin füllte sie mit Berichten – übersetzt ins Französische und die Texte aus Frankreich in die deutsche Sprache. Das ist Völkerverständigung an der Basis. Heute hat sich der einstige Traum erfüllt. Aus früheren Feinden sind Freunde geworden.

Auf über zwei Jahrzehnte Engagement für die "Freunde von St. Saturnin" blickt Ruth Hagel zurück. In einer Revue der heute 90-Jährigen ist ein Traum größtenteils in Erfüllung gegangen. Im Jahr 1978, von dem damaligen Bürgermeister Georg Köller und seinem französischen Amtskollegen Gabriel Usclade, wurde das gemeinsame Ziel besiegelt. Was als echtes Wagnis begann, entpuppte sich dann doch als Erfolgsgeschichte. Gegenseitige Besuche, Unterbringung in den privaten Wohnungen und unzählige gemeinsame Unternehmungen haben Freundschaften gebildet. Undenkbar war es nach dem Krieg, eine deutsche Eiche in französische Erde zu pflanzen. Doch die Dorflinde in der Gemeinde St. Saturnin war in einem Sturm stark beschädigt worden und musste ersetzt werden. Im Juni 2000 geschah das kleine Wunder. Die Eiche aus Jettenbach wurde im Herzen von St. Saturnin gepflanzt, ein Gedenkstein platziert und später auch eine Bank zum Verweilen aufgestellt. Eine besondere Würdigung der kleinen bayerischen Gemeinde Jettenbach drückte die Verleihung der Ehrenmedaille der französischen Gemeinde St. Saturnin im Jahr 2002 aus. "Diese Auszeichnung erhielten bisher nur sehr wenige. Keine Minute meiner hier eingebrachten Zeit war vergebens", ist sich die Jubilarin Ruth Hagel sicher.

Zu den zahlreichen Gratulanten, Vereinsvertretern und Freunden gehörte zum Geburtstag auch Jettenbachs Bürgermeisterin Maria Maier. Das Foto zeigt Ruth Hagel (rechts) mit ihrer Enkeltochter Antonia.

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